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BGO Josef Prirschl: "Der Ball bezüglich rauchbarer Pflanzenprodukte liegt jetzt klar beim Finanzministerium - und wir lassen nicht locker."
BGO Josef Prirschl: "Der Ball bezüglich rauchbarer Pflanzenprodukte liegt jetzt klar beim Finanzministerium - und wir lassen nicht locker."
© mh

„Ich erwarte Hanfprodukte noch für 2020“

16.06.2020

... meint Bundesgremialobmann Josef Prirschl im Gespräch, das sich aber ebenso um den Corona-Shutdown, die Lotterien und den boomenden bargeldlosen Zahlungsverkehr drehte.

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Wie haben Sie als Bundesgremial­obmann die Phase des Shutdown ­erlebt?
Als vor Freitag, dem 13. März, klar wurde, dass die Wirtschaft hinuntergefahren wird, hat blanke Panik regiert. Die Kunden haben Zigaretten gehamstert, und die Telefone im Bundesgremium sind heiß gelaufen, weil natürlich die Trafikanten befürchtet haben, dass sie von den Schließungen betroffen sein werden. Wir haben bei der Politik darauf gedrängt, ebenfalls als systemrelevante Branche eingestuft zu werden, hatten aber keine fixe Zusage. Wichtig war es, das Dekret aus Italien mit der Öffnung der italienischen Trafiken trotz Shutdown im Bundeskanzleramt zu deponieren. Am Vormittag des 13. März wurde mir signalisiert, die Chance liege bei 60 Prozent, dass auch unsere Trafiken in Österreich geöffnet bleiben dürfen.
Insofern war die Pressekonferenz der Regierung am Freitag dann mehr als spannend – zumal die Trafiken auch nicht unter den Branchen genannt wurden, die offen halten dürfen! Erst online haben wir uns bei den „sonstigen Geschäften“ gefunden, da war die Erleichterung schon groß.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Branchenfunktionäre und die Mitarbeiter der Wirtschaftskammer auch einmal vor den Vorhang holen: Die Funktionäre haben ja auch noch ihre eigenen Geschäfte zu betreuen, und die Kammermitarbeiter sind speziell in der Anfangszeit mit der Aktualisierung der Homepage, dem Dienst an Hotlines und Beratungstätigkeiten richtig drangekommen und mussten sich dafür auch noch vielfach anraunzen lassen. In der Kammer haben wir Trafikanten aber eine echte Vorbildfunktion – wegen des Gehörs, das wir als gar nicht so große Gruppe in der Politik finden, sowie des hohen Anteils in der Berufsvertretung aktiver Trafikanten werden wir von anderen Sparten zu Recht beneidet.

Gibt es Neues von der Front „rauchbarer Pflanzenprodukte“? 
Schon vor Covid hat das Finanzministerium seine Blockadehaltung aufgegeben, und wir haben das Thema bearbeitet. In den virtuellen Gesprächen mit dem Finanzministerium – via Skype etc. – haben wir viel Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit der Trafikanten erfahren. Und man war auch über das Verständnis froh, das wir für die Verschiebung der Tabaksteuererhöhung aufgebracht haben. Der Startschuss für den Verkauf von Hanfprodukten in den Tabakfach­geschäften lässt aber noch auf sich warten.

Welchen Zeitrahmen sehen Sie für „rauchbare Pflanzenprodukte“?
Auf jeden Fall noch 2020! Die Rechtspositionen sind klar, aktuelle Produktanmeldungen liegen auch vor – da sollte es schnell gehen können. Und wir lassen auch nicht locker! 

Die geschlossenen Grenzen haben ja nicht nur den Kauf der Österreicher im billigeren Ausland verhindert, sondern auch Käufer aus Ländern mit höheren Zigarettenpreisen vom Kauf in Österreich abgehalten. Weiß man in etwa, in welchem Verhältnis diese beiden Gruppen zueinander stehen?
Das wäre eine sehr unsichere Schätzung und ungefähr so seriös wie der Blick in die Kristallkugel. Der Kaufkraftverlust durch unversteuerte Zigaretten ist aber sicher höher als der -gewinn durch Auslands­käufer.
Ein weiterer Faktor erschwert diese Einschätzung zusätzlich: Wir hatten im Jänner und Februar durch das Gastro-Rauchverbot Verluste gegenüber 2019; das Corona-Plus könnte dazu führen, dass wir aufs Gesamtjahr gesehen trotzdem nur ein Nullwachstum bekommen.

Von vielen Trafikanten war zu hören, dass die Kunden Corona-bedingt viel häufiger bargeldlos bezahlen möchten. 
Der Anteil der Kartenzahlungen ist durch Covid-Ängste massiv gestiegen, und das verschärft die Kostenproblematik für uns. Wir fordern zumindest eine Gleichbehandlung mit dem Lebensmittelhandel, der nur Disagio, aber keine Fixkosten bezahlt.
Und wir waren schon mit einem Anbieter im Gespräch – doch dann legte er das versprochene Angebot nicht, weil er inzwischen von der Mutterfirma von Six Payment gekauft wurde. Aus unserer Sicht nutzt Six seine marktbeherrschende Stellung aus – darauf haben wir auch schon die Bundeswettbewerbsbehörde aufmerksam gemacht!

 

Das vollständige Interview können Sie ab 18. Juni in der druckfrischen Trafikantenzeitung nachlesen.