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Die liebe Post möchte für 40 Prozent mehr Pakete um 60 Prozent weniger Provision an ihre Partner auszahlen.
Die liebe Post möchte für 40 Prozent mehr Pakete um 60 Prozent weniger Provision an ihre Partner auszahlen.
© Post AG

Post will Paketprovisionen der Partner mehr als halbieren

14.08.2019

Mitten in die Ferienzeit platzte die lakonische Mitteilung der Post, künftig statt 90 nur noch 40 Cent pro Paket bezahlen zu wollen.

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Eigentlich sollen die Postpartnerverträge bis Ende November 2019 ausverhandelt sein. In zweifelhafter Manier ließ die Post ihren 1.360 Vertragspartnern aber sicherheitshalber schon vorab ausrichten, dass sie zur Aufrechterhaltung der Konkurrenzfähigkeit ab 1. August statt der bisherigen 90 Cent pro Paket nur noch 40 Cent bekommen würden. Bis zum Jahresende 2019 werden Ausgleichszahlungen den Differenzbetrag von 50 Cent ersetzen und dafür sorgen, dass die Partner im laufenden Jahr nicht schlechtergestellt würden. Auf Anfrage des ORF gab die Post AG bekannt, dass „sämtliche Änderungen – seien es Provisionen oder Inhalte des Postpartnervertrags – immer nur in Absprache mit dem Postbeirat erfolgen“.  

Teure Strukturen

Rund jeder vierte Postpartner ist Trafikant, der nicht nur für den Kundenverkehr, sondern auch für das Handling der Postsendungen (Rollpaletten) deutlich mehr Platz benötigt als für ein reines Fachgeschäft oder eine Verkaufsstelle. Zu diesen höheren Flächenkosten gesellen sich anteilige Ausgaben für Personalkosten, Beleuchtung/Strom etc., sodass ein simples 
Akzeptieren der Kürzung durch den Postpartnerbeirat keinen gangbaren Weg darstellt – man würde sonst beim ohnehin schon aufwendigen Postgeschäft auch noch Geld verlieren.

Das Pflichtenheft

Der oberösterreichische Landesgremial­obmann Erwin Kerschbaummayr ist Mitglied des Postpartnerbeirates. „Wir haben für die Verhandlungen mit der Post bis November bereits Termine vereinbart. Eines muss aber klar sein: Wenn die Postpartner für die Pakete weniger Geld bekommen, müssen die Verluste an anderer Stelle aufgefangen werden – und zwar in Bereichen, die das realistischerweise auch zulassen!“

Die Ausgangslage

Die Post AG hat DHL übernommen und rechnet mit einem Mehr von 40 Mio. Paketen pro Jahr, was einer Steigerung des Paketverkehrs um rund 40 Prozent entspricht. Gleichzeitig hat die Post aber auch einen Versorgungsauftrag aus dem Postmarktgesetz, der sie verpflichtet, in ­Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern und Bezirksstädten eine Geschäftsstelle in maximal zwei Kilometern Entfernung zu unterhalten und in allen anderen Regionen einen Umkreis von maximal 10 Kilometern durch eine eigene Geschäftsstelle oder eine Postpartnerfiliale zu versorgen. Aus diesem gesetzlichen Auftrag heraus kann es sich die Post AG gar nicht leisten, viele Postpartner gleichzeitig zu verlieren. Man wird sich also trotz angedrohter Paket-Provisionskürzungen – auch im ureigensten Interesse – ein Provisionsmodell überlegen müssen, das die bisherigen Partner wirksam zum Weitermachen motiviert. Ende November 2019 sollten die Verhandlungen der Post mit dem Partnerbeirat abgeschlossen und ein neues Provisionsmodell unterschriftsreif sein. 

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